Auf! Sendung!

Menschen mit geistlichen und kirchlichen Berufen begegnen



Die Fragen der Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die ich in einem Gymnasium in einer ostwestfälischen Kleinstadt besuche, haben es durchaus in sich. Es wird schnell persönlich. Die Schüler fragen direkt nach meiner Lebens- und Glaubensgeschichte.
Denn schließlich haben sie in ihrem Religionskurs nicht alle Tage einen Priester vor der Nase. Die Schüler sind aufgeweckt, neugierig und manchmal auch erstaunt darüber, dass sie auf alles eine Antwort bekommen. „Mit dem kann man sich ganz normal unterhalten“, sagt ein Schüler beinahe überrascht beim Verlassen der Klasse zu seinem Kumpel. Das wiederum erstaunt mich, und ich frage mich, welches Bild junge Leute eigentlich von Menschen haben, die einen geistlichen oder pastoralen Beruf ergriffen haben.
Ohne Frage sind diese Menschen – das wird mir schnell deutlich – für sie Exoten, selbst in einer mehrheitlich katholischen Gegend, wie man sie rund um Paderborn bisweilen noch findet.



Auf diese exotischen Begegnungen hatten wir vom Team der Diözesanstelle Berufungspastoral es angelegt, als bei uns die Idee entstand, Priester, Ordensleute und Gemeindereferenten mit Schülerinnen und Schülern auf eine neue Weise in Kontakt zu bringen. Schnell nahm die Idee Gestalt an und wurde zu einem Projekt, das wir  „Auf! Sendung!“ nannten. Ein Titel mit gewollt mehrdeutiger Auslegungsmöglichkeit.

Im ersten Jahr – 2015 – ließen sich 24 Ordensleute, Priester und Gemeindereferentinnen bzw. -referenten für dieses Projekt begeistern und erklärten sich bereit, in einem Zeitraum von zwei Wochen Schulen zu besuchen. Wir wählten als Termin die Tage rund um den Weltgebetstag um geistliche Berufungen.

Es wurde eine Broschüre zusammengestellt, in der sich die 24 Teilnehmerinnen und -teilnehmer mit einem Steckbrief vorstellten. Diese Broschüre verschickten wir anschließend an sämtliche Religionslehrerinnen und Religions-
lehrer aller weiterführenden Schulen, die auf dem Gebiet des Erzbistums Paderborn liegen. Das sind über 3000. Die Resonanz war überraschend groß. Besonders die Ordensleute und Priester wurden von Lehrern und Schülern in ihre Klassen und Kurse eingeladen. Insgesamt wurden über 30 Schulen bzw. rund 50 Klassen und Kurse besucht.

Die Resonanz bei der zweiten Durchführung des Projekts im Jahr 2017 ist leicht zurückgegangen, aber immer noch zufriedenstellend hoch. Inzwischen haben wir auch eine eigene Website geschaltet, die unter www.aufsendung.org abrufbar ist.

Die Gespräche in den Religionsstunden zeigen, dass die Schule als pastoraler Ort nicht zu unterschätzen ist. Dabei ging es uns nicht um die Vermittlung von theologischem Wissen, sondern um die Ermöglichung einer Begegnung auf Augenhöhe zwischen Schülern und geistlich lebenden Menschen, die in dieser Form für alle Beteiligten nur selten zustande kommt.
Natürlich kamen auch kirchliche und theologische Themen zur Sprache, die kritisch diskutiert wurden. Überraschend war allerdings, dass die Schüler vor allem an der Lebens- und Berufungsgeschichte der einzelnen interessiert waren.

Papst Franziskus hat in seinem Apostolischen Schreiben zum Jahr des geweihten Lebens, das im November 2014 veröffentlicht wurde, in berufungspastoraler Hinsicht dazu ermutigt, „das eigene Leben sprechen zu lassen“. Die Geschichte und Geschichten des eigenen Lebens und Glaubens boten den Schülerinnen und Schülern tatsächlich eine hervorragende Gelegenheit, um mit den Projektteilnehmern in einen guten und ehrlichen Austausch zu kommen.

Was hat das Projekt „Auf! Sendung!“ darüber hinaus gebracht? Die Stimmen sowohl der Lehrer als auch der Schüler sowie die Eindrücke der beteiligten Priester, Ordensleute und Gemeindereferenten sind eindeutig: Alle waren froh über diese „exotische“ Begegnung zweier Welten, die mehr und mehr auseinander driften und dies eigentlich doch gar nicht sollten. Das Fazit des Schülers, der feststellte, dass man mit einem Priester ja doch auch ganz „normal“ über ganz „normale“ Themen sprechen kann, ist dann nicht die schlechteste Bilanz dieses gelungenen Projektes.  

Die guten Resonanzen ermutigen uns vom Team der Berufungspastoral, dieses Projekt auch weiterhin durchzuführen und so die Begegnung zwischen Schule und Kirche bzw. Schule und Berufungspastoral auf eine direkte, menschennahe und unkomplizierte Weise zu ermöglichen.
So kann die Schule als berufungspastoral relevanter Ort – auch über Jobmessen und schulinterne Berufsinformationstage hinaus – ein interessantes und höchst spannendes Feld für die Arbeit der einzelnen Diözesanstellen sein.


Praxistipp:

Eine ähnliche Aktion kann beispielsweise auch auf Gemeindeebene im Rahmen einer Gruppen- oder Schulstunde durchgeführt werden. Nehmen Sie Kontakt zu einer Schule vor Ort auf und bieten Sie an, dass ein Priester, eine Ordensfrau, ein Ordensmann, pastorale Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter in den Unterricht kommen, von sich erzählen und Fragen der Schülerinnen und Schüler beantworten.

Der dafür notwendige Aufwand ist überschaubar: Im Grunde müssen Sie nur ein paar Mitstreiter als Berufungszeugen finden und auf die Schulen zugehen. Es bietet sich an, den Besuch in der Klasse vorzubereiten. Das Projekt selbst ist sicherlich lohnenswert für alle Beteiligten.