Gott.
Vertrauen.
Wagen.

90 Jahre Gebet um geistliche Berufungen
Wallfahrt nach Freiburg 1.–3. Oktober

 


Wie entstand die Gebetsgemeinschaft?


In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg, nach einer Zeit enormer Inflation und um sich greifender Arbeitslosigkeit erlebte Prinzessin Maria Immaculata von Sachsen auch die Kirche in Deutschland in großer Bedrängnis. Allein die Erzdiözese Freiburg, wo sie zu dieser Zeit lebte, verzeichnete im Jahr 1926 einen Mangel von 200 Priestern. 100 Seminaristen waren im Ersten Weltkrieg gefallen.

Prinzessin Maria Immaculata wollte sich mit ganzer Kraft für die Erneuerung der Kirche einsetzen. Sie beschloss, für Priesterberufungen zu beten. Doch war ihr dabei bewusst, dass sie diese Aufgabe nicht allein bewältigen konnte. Und so begann sie damit, ein Netzwerk aufzubauen.

Das Frauenhilfswerk für Priesterberufungen wurde 1926 in Freiburg gegründet. Laut Satzung sollten die Mitglieder täglich beten, ein beispielhaftes Leben im Geiste Jesu führen und einen materiellen Beitrag zur Unterstützung bedürftiger Priesterkandidaten leisten. Bei der Gründung waren 16 Frauen anwesend, nach 13 Jahren gab es deutschlandweit mehr als 250.000 Mitglieder. Heute setzt das Päpstliche Werk für geistliche Berufe den Einsatz weltumspannend fort.

Prinzessin Maria Immaculata verfolgte von Anfang an das Ziel, eine internationale Organisation aufzubauen. Ihre Bemühungen führten jedoch zunächst nicht zum gewünschten Erfolg. In Deutschland geriet die Gebetsgemeinschaft ins Fadenkreuz der Nationalsozialisten. Im »Ministerialblatt des Inneren« wurde im September 1939 das Verbot des »Frauenhilfswerks für Priesterberufe« mit all seinen Organisationen in ganz Deutschland veröffentlicht. Die Weiterführung der Arbeit des Werkes wurde unter Strafe gestellt. Zwei scharfe Protestschreiben, die Prinzessin Maria Immaculata direkt an den Chef der Gestapo, Heinrich Himmler, und an Innenminister Wilhelm Frick richtete, blieben erfolglos. Auch weitere Bemühungen waren vergeblich. Das Werk blieb verboten, das Vermögen wurde eingezogen.

Das Gebetswerk überlebte dank der Entscheidung von Papst Pius XII., 1941 als Reaktion auf das Verbot des Frauenhilfswerkes das »Päpstliche Werk für Priesterberufe (PWP)« zu gründen. So erfüllte sich gerade in einer Zeit starker Bedrängnis einer der größten Wünsche der Prinzessin: Das Werk wurde fest im Leben der Kirche verankert und hatte von da an seinen Mittelpunkt in Rom.

 

 

In Zusammenhang mit der Ausstellung ist eine Broschüre entstanden, die ausführlicher über die Entstehung und Geschichte der Gebetsgemeinschaft informiert.


Sie kann für 2,00 € über das Zentrum für Berufungspastoral bezogen werden.

 

Kann uns die Prinzessin heute noch inspirieren?

Aus der Predigt von Michael Maas im Eröffnungsgottesdienst der Wallfahrt


»Es gibt eine Frage, die mir, seit ich das Zentrum für Berufungspastoral leite, oft gestellt wird und die (offensichtlich) alle interessiert: Wie viele Priesterweihen und -kandidaten gibt es in den deutschen Diözesen? Und man erwartet hierzulande schon, dass es sich nicht um allzu große Zahlen handelt. Dabei fällt auf: Wir sind auf diese Zahlen geradezu fixiert. Heil oder Unheil werden an ihnen festgemacht. Und wenn wir die Zahlen dann kennen: Was dann? Dann tut sich in der Regel nicht viel.

Anders vor 90 Jahren: Die »Zahlen« haben nach dem Ersten Weltkrieg auch nicht gestimmt. Und Prinzessin Maria Immaculata von Sachsen hat darum gewusst. Sie hat dies nicht zum Anlass genommen, um Forderungen zu stellen und Schuldige zu suchen. Sie hat schlicht das getan, was in der Heiligen Schrift steht: »Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter auszusenden.« (vgl. Lk 10,2) Sie hat das Gebet als die wichtigste Quelle des geistlichen Lebens – gerade im Blick auf Berufungen – neu belebt. Sie hat Mitstreiterinnen gesucht, die mit ihr gebetet haben. Und sie hat Gott vertraut: Er wird das Seine dazu tun, wenn wir uns nur nach unseren Kräften mühen und uns an ihn wenden.

Kann das auch für uns heute ein Impuls sein? Gott.Vertrauen.Wagen. So haben wir die Wallfahrt zum 90-jährigen Jubiläum der Gebetsgemeinschaft für geistliche Berufungen überschrieben. Gott gehört die erste Stelle, nicht uns und unseren Vorstellungen. Gott ist es, der uns in der Kirche zusammenführt. Diesem Gott dürfen wir vertrauen. Er wird für uns sorgen, wenn wir uns ihm nur öffnen. So, wie es die Prinzessin und ihre Frauen getan haben. Sie haben erlebt, dass dies tatsächlich eine Veränderung bewirkt hat. Sie haben erfahren, dass das Gebet trägt. Wir können eine solche Erfahrung nur machen, wenn wir bereit sind, zu vertrauen. Und das ist zugleich ein Wagnis. Wie gern haben wir die Dinge schwarz auf weiß und gut abgesichert. Vertrauen aber wächst, indem ich es schenke, indem ich bereit bin, es zunächst bedingungslos zu geben. Dazu braucht es Mut. Aber nur so kann Vertrauen wachsen.

Das Werk der Prinzessin kann uns inspirieren, es ihr heute gleich zu tun. Es zeigt uns, dass es sich lohnt, auf das Wort Gottes zu hören und alles einzusetzen, was in unseren Kräften steht. Sie ermutigt uns, dass auch wir Gott.Vertrauen.Wagen.«

 

 

 

Pontifikalamt – Uraufführung der Messe »gerufen und gesandt«


Im voll besetzten Freiburger Münster feierte Bischof Dr. Felix Genn (Münster) einen Dankgottesdienst und hob in seiner Predigt das Besondere am Engagement der Frauen hervor, die vor 90 Jahren das Priesterhilfswerk gründeten: In einer Zeit großer geistiger Not ließ sich die sächsische Prinzessin Maria Immaculata herausfordern, eine Gemeinschaft zu gründen, die die Seelsorge, vorallem die Priester, in besonderer Weise unterstützte. »Sie wollte diese geistige Not durch eine Gebetsgemeinschaft umwandeln und Zeit und Kirche erneuern: durch eine Gebetsgemeinschaft – also nicht dadurch, dass man zuerst ein Programm entwickelt und etwas angeht, um es hinzukriegen, sondern indem man etwas empfängt.«
Das Frauenhilfswerk wollte Priester ganzheitlich unterstützen. Es ging den Frauen darum, in ihren Gemeinden und Familien eine Atmosphäre zu schaffen, die offen für geistliche Berufungen ist,– eine auch in unseren Tagen bleibende Herausforderung. Deshalb ist es Bischof Genn wichtig, Priester in ihrem Dienst zu stärken:
»Allenthalben hören wir, dass der Zölibat weg muss. Ich verhehle nicht, dass ich die Sorge vieler, die so argumentieren, durchaus verstehen kann, weil es eine Sorge ist um die Versorgung der Gemeinden, besonders im Blick auf die sonntägliche Eucharistie. Zugleich sehe ich aber auch die Gefahr, dass man den Zölibat schlecht und dadurch tot reden kann und nicht zugleich auch aufleuchten lässt, was er bedeutet, dass es um die Lebensform Jesu geht. Was mache ich mit dieser Lebensform, wenn ich das nicht genug in den Blick nehme? Was mache ich, wenn ich das Zeugnis unzähliger Frauen und Männer in den Evangelischen Räten und in der priesterlichen Lebensform nicht genügend akzentuiere, damit es aufleuchtet auch da, wo es eben nicht Skandale ausgelöst hat?«

 

 

Eine Besonderheit in diesem Pontifikalamt war die Uraufführung der Messe »gerufen & gesandt« von P. Norbert Becker. In geistlich tiefgehenden Texten, verbunden mit schwungvoller Musik, greift Norbert M. Becker das Anliegen Jesu auf, den Herrn um Arbeiter für seine Ernte zu bitten.
Bischof Genn griff am Ende seiner Predigt die Worte eines der Lieder auf, die Norbert M. Becker für das Anliegen gefunden hat: »Ich möchte Sie einladen, dass Sie am heutigen Sonntag und in Ihren Gebetsgemeinschaften das Schlussgebet aus dem letzten Lied dieser von Pater Becker komponierten Heiligen Messe aufnehmen: ‚Wenn du mich rufst, Herr, lass mich dich hören.’ Lasst das junge Menschen sprechen: ‚Wenn du mich rufst, Herr, lass mich dich hören. Lass mich den Weg erkennen, der hinführt zu dir. Wenn deine Hand nach mir greift, lass mich nicht weichen. Mach du mich stark in der Liebe zu dir.’ – Es kann auch ein Gebet für uns selber sein.«

Die Lieder der Messe »gerufen & gesandt« können im Gottesdienst, in der Katechese oder in der Schule eingesetzt oder einfach zum Vergnügen gehört werden. Die Lieder laden zum Mitsingen ein und sind auch für Jugendchöre in den Gemeinden gut zu spielen. Die CD und die dazugehörigen Chorsätze können über www.berufung.org bestellt werden.