»Wach auf, mach auf«
Missionarische Woche


Es klingelt an der Tür und da stehen sympathische junge Leute und wollen mit Ihnen über Ihren Glauben sprechen. – Nein, es sind keine Zeugen Jehovas, sondern junge Katholiken, die im Rahmen der »Missionarischen Woche« im Bistum Augsburg unterwegs sind. »Mission« – das ist ein Begriff, mit dem sich viele eher schwer tun, nicht zuletzt aufgrund mancher Belastungen aus der Kirchengeschichte. Und doch handelt es sich dabei um einen unmittelbaren Auftrag Jesu, den er seinen Jüngern gegeben hat, und um einen Grundauftrag der Kirche. Mission ist zudem eine Aufgabe, an die wir uns in einer Gesellschaft, in der der Glaube und die Begegnung mit Gläubigen immer weniger selbstverständlich werden, wohl neu gewöhnen und die wir in ihrer Bedeutung anerkennen müssen. Bei der Missionswoche in Augsburg gehen eine Woche lang  junge Leute als Missionare in einer Pfarreiengemeinschaft von Haus zu Haus, klingeln, geben einen Gruß der Pfarrei ab, bieten ein Gespräch über Fragen des Glaubens an, beten und laden zu Abendveranstaltungen in die Kirche ein.
Die Missionsaktion wird in den jeweiligen Pfarreien gut vorbereitet und bekannt gemacht. Die jungen Glaubenszeugen werden zuvor darin geschult, ihren Glauben zu bezeugen und das Evangelium Jesu Christi weiterzugeben. Sie lernen auch, wie sie auf ihre Gesprächspartner eingehen und kompetent auf Kritik reagieren sowie (auf Wunsch) für und mit den Besuchten beten können.


Seit 2015 wird die »Missionarische Woche« jährlich als gemeinsames Projekt des Bischöflichen Jugendamtes, des „Basical – Christliches Orientierungsjahr“ und des Instituts für Neuevangelisierung durchgeführt. Missionare sind zum einen die „Basicals“ – also Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Christlichen Orientierungsjahres in der Diözese Augsburg; es wirken aber auch junge Berufstätige mit. Diesen ist diese Woche so wichtig, dass sie sich extra Urlaub dafür nehmen.
In der »Missionarischen Woche« wohnen die jungen Leute vor Ort in Gastfamilien. Sie führen ein intensives geistliches Leben, geprägt von gemeinsamen Gebetszeiten und der Feier der Heiligen Messe. Während der Hausbesuche sind zudem einige der jungen Missionare in der Kirche und beten Jesus im Allerheiligsten an. Sie bitten um ein Gelingen der Gespräche und Begegnungen an der Haustür. Für die Abende erarbeiten sie gemeinsam mit der gastgebenden Pfarrei ein abwechslungsreiches Programm, z.B. mit Podiumsgesprächen, Gruppenstunden, Konzerten, festlichen Sondergottesdiensten, Pfarrfamilienabenden usw.

Für die beteiligte Pfarreiengemeinschaft ist die »Missionarische Woche« ein ganz besonderes Ereignis und bietet vielfältige Chancen, das Evangelium zum Tagesgespräch zu machen.


Was sagen die jungen Missionare selbst zu diesem Projekt?

Josef Kuhn, 24, BWL-Student aus Stuttgart: „Mir hat die „Missionarische Woche“ wieder einmal gezeigt, wie lebendig und jung die Kirche ist! Freude und Gebet gehen zusammen! Ganz genial waren auch die Gespräche, die ich hatte, z.B. mit einem älteren Herren, der schon seit langem nicht mehr in der Kirche und trotzdem ganz offen und aufgeschlossen war. Nach dem Gespräch meinte er dann, dass er den Kontakt zur Kirche wieder suchen wolle. Für mich ist das echte Missionsarbeit – und das mitten in Deutschland.“

Sabine Lambrecht, 24, Lehramtsstudentin: „Es hat sich wirklich gelohnt, sich eine Woche lang frei zu nehmen, um mit anderen jungen Leuten in Teams zusammenzuarbeiten und die Freude am Glauben weiterzugeben. Die Woche hat mir einerseits gezeigt, dass es schön und einfach sein kann, mit anderen Menschen über Gott und die Welt zu sprechen, dass es aber auch für einen selbst sehr bereichernd ist. Man geht aus dieser Woche voller Erfahrungen, die alle zeigen, dass der Glaube ein Thema ist, das jeden Menschen auf bestimmte Art und Weise berührt und beschäftigt. Ich kann jeden Jugendlichen nur ermutigen, das einmal auszuprobieren.“

„Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund“, sagt Richard Salzer, 26, Referendar aus Würzburg. „Ich bin sehr dankbar für diese Zeit und die Erfahrungen, die ich dort machen durfte. Augustinus hat völlig recht damit, dass man andere nur dann entzünden kann, wenn man selbst für eine Sache brennt.“

Elisabeth Heine, 23, Lehramtsstudentin: „Ich konnte mir anfangs absolut nicht vorstellen, einfach von Haus zu Haus zu gehen und mit den Leuten über den Glauben ins Gespräch zu kommen. Ich habe mir das Ganze sehr peinlich und unangenehm vorgestellt. Aber dann dachte ich auch, dass es an der Zeit wäre, einmal über meinen eigenen Schatten zu springen.
Im Nachhinein kann ich nur sagen, dass es sich sehr gelohnt hat, da sich sehr
wichtige und intensive Gespräche ergeben und viele Leute sich wirklich geöffnet haben. In dieser Zeit, die auch von einer tragenden Gemeinschaft geprägt war, durfte ich viel über mich selbst lernen.“