Adorations for
Vocations

Anbetung / Gebet um Berufungen

 

 

„Adoration for vocations“ – das ist eine Initiative, die in zahlreichen Diözesen der USA verbreitet ist. Dort ist sie ein wesentlicher Bestandteil der Erneuerung der Kirche aus dem Geist des Evangeliums geworden und hat dazu beigetragen, dass etliche Diözesen, die nicht nur vor dem finanziellen, sondern auch vor dem geistlichen Ruin standen, neue Kraft für die Verkündigung des Evangeliums bekommen haben. Wie kam es dazu? Und worum handelt es sich dabei genau?

Es liegt mittlerweile gut 20 Jahre zurück: Papst Johannes Paul II. feierte sein 50. Priesterjubiläum. David Craig, ein Unternehmer im Ruhestand aus Connecticut (USA), hatte zusammen mit einigen Freunden aus der „Regnum Christi“-Bewegung den Wunsch, dem Heiligen Vater aus diesem Anlass ein Geschenk zu machen. Aber was schenkt man einem Papst? Sie hatten die Idee, Monstranzen mitzubringen und sie vom Papst segnen zu
lassen. Ihr Geschenk war, dass sie mit diesen Monstranzen in ihren Heimatländern um Berufungen beten wollten.

 

Schnell zog das Anliegen Kreise. David Craig merkte, dass die Anbetung und das Gebet um Berufungen nicht nur seiner geistlichen Gemeinschaft ein Anliegen waren, sondern dass auch zahlreiche Diözesen auf einen Impuls zur Förderung des Gebets geradezu warteten. So begann er, Bischöfe und Verantwortliche in der Berufungspastoral zu kontaktieren. Dabei stellte er fest, dass es in nur etwa 10% der Pfarreien seiner Diözese Zeiten der Anbetung gab – zumeist für einzelne Stunden in der Woche oder im Monat.
Er verfasste Gebetshilfen, betete selbst für das Anliegen und führte zahlreiche Gespräche. Nach zwei Jahren hatte er erreicht, dass etwa 70% der Gemeinden seiner Diözese Anbetung hielten. Nach weiteren fünf Jahren gab es an sechs Orten sogar eine Anbetung rund um die Uhr.
Und in der Folge geschah Bemerkenswertes: Innerhalb von 30 Tagen nach Beginn der regelmäßigen Anbetung meldeten sich aus einer Gemeinde, in der es noch nie eine Berufung zum Priester gegeben hatte, drei junge Männer, die diesen Weg einschlagen wollten. Was in dieser Pfarrei exemplarisch geschah, ereignete sich schließlich an zahlreichen Orten. Das Gebet um Berufungen hatte Früchte getragen! 

Wir sind in Deutschland in einer ähnlichen Situation. Der Rückgang des Glaubens und der Einbruch bei den Zahlen der Neupriester sowie anderer geistlicher Berufungen führen uns vor Augen, dass auch wir vor einer gravierenden Zäsur stehen. Vielfach macht sich eine Unsicherheit breit, wie es mit dem christlichen Glauben in unserem Land weitergehen soll. Eines ist klar: Wir können nicht mehr einfach so weitermachen wie bisher! Es braucht einen neuen Impuls für den Glauben! Die Situation, in der wir uns befinden, ist in der Tat in jeder Hinsicht dramatisch.
Wir sollten deshalb aber nicht in hektische Betriebsamkeit verfallen, sondern uns vielmehr neu auf die Grundlagen unseres Glaubens besinnen, auf den Auftrag Jesu Christi. Er fordert unermüdlich zum gemeinsamen Gebet auf: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20) Er gibt uns die konkrete Anweisung, um Arbeiter im Weinberg des Herrn zu beten (vgl. Mt 9,38; Lk 10,2). Und er hat in der Feier des letzten Abendmahls die Eucharistie eingesetzt (vgl. Lk 22,19).
Deshalb ist es nicht nur die positive Erfahrung aus den USA, sondern auch die Beziehung zu unserem Herrn Jesus Christus, die uns in der Berufungspastoral dazu motiviert, das Anliegen von „adoration for vocations“ auch in Deutschland voranzubringen und bei uns die Anbetung um Berufungen zu fördern.

Aus diesem Grund hat der Oberkircher Künstler Michael Huber für uns eine eigene Monstranz entworfen, deren Anschaffung bewusst auch als Impuls genutzt werden kann, um neu mit dem Gebet um Berufungen zu beginnen. Zudem bietet sie mit der ihr eigenen Symbolik gute Anknüpfungspunkte für das Gebet. Die Feuerzungen des Heiligen Geists können in ihr genauso wiederentdeckt werden wie das Bild des brennenden Dornbuschs, in dem uns Gott seine Gegenwart zugesagt hat.

Darüber hinaus wird im Laufe des Jahres 2018 ein Gebetsheft erscheinen, das konkret dabei helfen soll, mit dem Gebet zu beginnen. Denn letztlich brauchen wir ein neues Bewusstsein, dass das Gebet – und näherhin das Gebet um Berufungen – zum Kern unseres Glaubens gehört.

Selbstverständlich geht es in diesem Zusammenhang nicht um den Verkauf von Materialien. Auch wissen wir natürlich darum, dass das Gebet nicht wie ein Automat funktioniert und dass wir nicht etwa für zehn Gebetsstunden eine geistliche Berufung erhalten werden.
Gott ist es, der ruft! Und doch dürfen wir die Kraft des Gebets nicht unterschätzen! Das Gebet geht nicht ins Leere! Auf das Vertrauen in Gott ist unsere Kirche gegründet! Sich dies wieder neu ins Bewusstsein zu rufen, auch darum geht es bei der Förderung von „adoration for vocations“: Es kommt auf eine Veränderung unseres Denkens und auf eine Erneuerung der Kirche an (vgl. Röm 12,2)!
So hoffen wir, mit der Idee von „adoration for vocations“ eine Bewegung in unserer Kirche anzustoßen, die mit dem Gebet um geistliche Berufungen zugleich den Glauben wachsen lässt und die Gemeinden stärkt!

Wie das konkret aussehen kann, zeigen die nachfolgenden Anregungen von Pfarrer Hannes Rümmele, der das Gebet um Berufungen in seinen Gemeinden neu initiiert hat.
 
Papst Franziskus jedenfalls hat dieses Anliegen im vergangenen Sommer gesegnet und uns alle mit den Worten ermutigt: »Das ist eine gute Sache!«