Pfarrer Hannes Rümmele

Leiter der Seelsorgeeinheit an Wolf und Kinzig, Wolfach

Wie starte ich eine Anbetung
um Berufungen?


Anregungen von Pfarrer Hannes Rümmele



1. Lebensträger sein

Zunächst ist es wichtig, sich das Thema „Anbetung um Berufungen“ zu einem eigenen Herzensthema zu machen. Dazu ruft nicht zuletzt die Bibel auf: Jesus gibt seinen Jüngern zwei konkrete Gebetsanliegen mit auf den Weg.  Seinem Auftrag, „alle eins zu sein“ (vgl. Joh 17,11), kommen in unseren Pfarreien, Verbänden und Gremien erfreulicherweise sehr viele Gläubige nach, indem sie sich für die Gemeinschaft und die Ökumene vor Ort einsetzen. Die andere Aufforderung „Bittet den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38; Lk 10,2) findet dagegen in der Regel bedauerlicherweise erheblich weniger Gehör. Aber auch dieses Herrenwort muss verinnerlicht werden. Und dazu müssen wir uns zunächst einmal selbst in die Pflicht nehmen. Auf uns kommt es an, wenn es darum geht, diesen Auftrag neu mit Leben zu füllen!

2. Mitstreiter suchen und fördern

In jeder Gemeinde gibt es Menschen, denen dieses Anliegen wichtig ist und die im Stillen bereits (immer wieder) dafür beten. Um das regelmäßige Gebet bzw. die Anbetung in der Gemeinde gut initiieren und verankern zu können, ist es wichtig, diese Leute zu vernetzen und konkret zu unterstützen, etwa indem man ihnen Räume dafür bietet. Indem man bspw. die Kirche für die gemeinsame Anbetung öffnet und selbst mitbetet (!), wird das Anliegen öffentlich anders wahrgenommen, und neue Beterinnen und Beter können leichter den Weg in diese „Anbetungsgruppe“ finden. Es bietet sich darüber hinaus an, auf derartige Initiativen etwa im Pfarrbrief hinzuweisen. Wo dies möglich ist, sind „Schulungsangebote“ sinnvoll, die den jeweilig Verantwortlichen Hilfestellungen bei der Vorbereitung und Durchführung von Andachten und Wortgottesfeiern geben und in denen unter anderem erläutert wird, wie man das Allerheiligste „richtig“ aussetzt. In jedem Fall ist es hilfreich, Materialien zur Verfügung zu stellen, die häufig auftauchende Fragen beantworten.
Allgemein erscheint es wünschenswert, Vernetzungen über die jeweilige Seelsorgeeinheit hinaus anzustreben, indem man zum Beispiel Ordensleute (oder andere geistliche Menschen) als Zeugnisgeber für ihren Berufungsweg in die Pfarrei einlädt oder selbst mit Jugendlichen Klöster und andere Orte des Glaubens besucht.

3. Rahmenbedingungen
Berufungen dürfen etwas kosten, dessen muss man sich bewusst und zu einem entsprechenden Einsatz muss man bereit sein!
Um das Gebet um geistliche Berufe zu fördern, bedarf es eben auch  guter Rahmenbedingungen und des nötigen „Equipments“. Damit Laien „gut“ aussetzen können, sollte beispielsweise eine kleine Monstranz bzw. ein Ostensorium vorhanden sein oder angeschafft werden. Für unsere Pfarrei haben wir eine Berufungsmonstranz erworben, mit der wir das Gebet gut starten konnten und bei der uns auch der Gedanke der Vernetzung im Gebet um Berufungen gefällt. Zudem ist es wichtig, Vorkehrungen zu treffen, damit eine gute Gebetsatmosphäre entstehen kann. Das beginnt schon mit der Anschaffung von Kerzen und Andachtsheften und setzt sich fort bis hin zu Fragen der Raumgestaltung. Auch eine gute musikalische Unterstützung kann für das Gebet sehr förderlich sein.

4. Das Thema setzen
Das Thema Anbetung um Berufungen muss man immer wieder in die Pastoral einbringen, sei es in der Pastoralkonzeption, in der Jugendarbeit oder in der Sonntagspredigt. Auch in den Fürbitten am Sonntag sollte dieses Anliegen regelmäßig aufgegriffen werden. Dadurch gewinnt die Anbetung an Selbstverständlichkeit als gemeindlicher Vollzug, wird stärker als eine Aufgabe verankert, die die Kirche als Ganzes betrifft, und erreicht zudem eine breitere Öffentlichkeit.