Valerie und der Priester wird zu
Gott im Abseits

 

 

» Schade, dass nun alles vorbei ist. «

» Ich fände es richtig schön, wenn es hier im Blog weitergehen könnte. «

Das sind nur zwei Stimmen, die für zahlreiche Rückmeldungen im vergangenen Mai stehen, als das Internetprojekt „Valerie und der Priester“ zu Ende ging. Die junge Journalistin Valerie Schönian hatte ein Jahr lang Kaplan Franziskus von Boeselager in seinem Alltag begleitet. Und die beiden hatten im Internet viel Interesse geweckt. So war schnell klar: Wir konnten es dabei nicht belassen. Es musste weitergehen – nur wie?


„Gott im Abseits“ lautet die Antwort auf diese Frage. Im Folgeprojekt sollte nicht mehr der pastorale Alltag einer Pfarrgemeinde im Mittelpunkt stehen. Wir wollten den Blick bewusst weiten und dorthin schauen, wo man Kirche nicht unbedingt vermutet: an den „Rand der Gesellschaft“, wie es Papst Franziskus formuliert. Also dorthin, wo Menschen – von außen betrachtet – nicht selten eher Grund haben zu verzweifeln, als auf Gott zu vertrauen und auf den Glauben zu setzen. Genau dort engagieren sich jedoch Menschen, gerade weil sie glauben; weil sie erkennen, dass es ihre Berufung ist, für Bedürftige da zu sein. Sie folgen Jesus Christus nach, indem sie zu denen gehen, die auf Hilfe angewiesen sind – zu Drogenabhängigen und Obdachlosen genauso wie zu Sterbenskranken oder verurteilten Verbrechern. Von diesen Menschen berichtet unser neues Projekt: Gott ist da, auch an den Orten, die, von unserer so begüterten und privilegierten Gesellschaft aus gesehen, im Abseits zu liegen scheinen.


1. Staffel – Missionsärztliche Schwestern


In der ersten Staffel, die bereits online ist, schildert der Journalist Timm Giesbers seine Erlebnisse in der Elisabeth-Straßenambulanz in Frankfurt am Main und portraitiert Schwester Karin Knötig und ihre Mitschwestern der Ordensgemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern (MMS), bei denen er eine Zeit lang mitgelebt hat. Die Schwestern sorgen sich um die körperliche und seelische Gesundheit von Obdachlosen und Geflüchteten in der Main-Metropole.



» Meine Arbeit für Menschen am Rand der Gesellschaft bringt mich oft an die eigenen Grenzen. Aber mein Glaube gibt mir die Kraft und das Vertrauen, dass gerade dann Gott ins Spiel kommen kann. «
Sr. Karin

» Die Schwestern sind glücklich, gerade weil sie im Orden leben  –  nicht trotzdem. Ihr Weg, ihre Lebensentscheidung machen sie glücklich. Das zu verstehen ist eine Herausforderung für mich. «
Timm Giesbers

» Ich habe so gedacht: Was macht denn das Leben auch aus? Ist es das wirklich? Das ganze Leben lang zu arbeiten und dann krank zu sein und dann war’s das. Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht, da war ich so 20. Und da bin ich irgendwie eigentlich gar nicht an Gott vorbeigekommen, an dieser Frage nach Gott. « Sr. Karin


2. Staffel – Fazenda da Esperança

Für die zweite Staffel hat die Journalistin Christina Hertel die „Fazenda da Esperança“ in Bickenried im Allgäu besucht, wo Drogenabhängigen im Kampf gegen ihre Sucht geholfen wird: durch Begleitung, durch das Leben in Gemeinschaft, durch Gebet und Arbeit. Mit diesem ungewöhnlichen, das Evangelium ernst nehmenden Ansatz der Suchthilfe erzielen die Verantwortlichen auf der Fazenda große Erfolge – und dies nicht nur bei gläubigen Patienten. Unter den Süchtigen, die auf der Fazenda Hilfe suchen, finden sich auch Atheisten und Angehörige nicht-christlicher Religionen. Der Leiter der Einrichtung, Luiz Fernando Braz, berichtet in der aktuellen Staffel von „Gott im Abseits“ aus seinem Leben. Und er erzählt davon, warum er vorhat, sein Leben Gott zu weihen.

 


» Früher wollte ich immer überall der Beste sein, in der Schule, beim Sport, in der Arbeit, aber eigentlich war ich innerlich leer. Auf der Fazenda fand ich zum ersten Mal einen Sinn im Leben, der größer war als ein kurzfristiges persönliches Glück. « Luiz Fernando Braz

» Luiz sieht ganz anders aus als ich mir einen Gottgeweihten vorgestellt habe. Seine Haare hat er zu einem Knoten zusammengebunden, er trägt Bart, Jeans, Lederstiefel, Strickpullover. Genauso könnte er irgendwo in einer Großstadt Bier über den Tresen schieben. Aber was habe ich eigentlich gedacht, wie ein Gottgeweihter rumläuft? Mit Kutte und Seitenscheitel? Oder mit einem dicken Bauch wie die Mönche auf den Bierflaschen? « Christina Hertel

» Eine Sucht kommt von vielen Problemen, klar. Aber vor allem von einer Sehnsucht, einer Leere im Leben. Ohne einen Sinn findet man aus all dem auch keinen Ausweg. «
Luiz Fernando Braz