Jugendvesper:
„Habt keine Angst!“

 

Lied zur Eröffnung

In Ängsten, die einen, (God for You(th), Benediktbeurer Liederbuch, Nr. 37 )

 

Hinführung

Dieses Lied erzählt von Menschen, die sich ängstigen und von anderen, die ohne Angst leben können. Gibt es wirklich Menschen ohne Angst? Kann man seine Angst einfach so überwinden? Und wenn ja, wie geht das? Es gibt im Leben immer wieder Situationen, in denen wir Angst haben. Manche können gut damit umgehen, andere wiederum sind in ihren Ängsten gefangen. Dies gilt gerade auch, wenn es darum geht, eine Entscheidung zu treffen, die unser Leben wesentlich beeinflussen wird: Welchen Beruf strebe ich an? Wie will ich leben? Kann ich mir vorstellen, Priester oder Ordensfrau zu werden? Will ich kirchlich heiraten? Wie gut tut dann die Zusage: „Hab keine Angst, ich bin ja bei dir.“ Im Evangelium sagt Jesus den Jüngern und den Menschen immer, dass sie keine Angst haben müssen. Aber das ist gar nicht so einfach. Dazu berichtet das Matthäusevangelium.

 

Schriftwort

Mt 14,22-33 – Jesus geht auf dem Wasser.

Kurze Stille, um die Schriftstelle nachwirken zu lassen.

 

Impuls und Austausch

Das Kippbild wird gezeigt und die Gemeinde/Gruppe wird angesprochen:

Wir haben ein Bild mitgebracht. Schaut es euch in Ruhe an. Was seht ihr? Was strahlt es aus?

Es findet ein kurzer Austausch statt. (z.B. Man sieht einen großen Vogel, der einen Menschen im Schnabel hat. Das Bild hat etwas Beängstigendes. Es ist ein verstörendes Bild...)

Das Bild wird gekippt und die Gemeinde/Gruppe wird gefragt:

Was passiert, wenn das Bild auf den Kopf gestellt, wenn es gekippt wird?

Es findet erneut ein Austausch statt (z.B. Das sieht jetzt ganz anders aus. Man sieht eine Insel mit zwei Bäumen. Ein Mann im Boot angelt einen großen Fisch. Das Bild wirkt friedlicher. Es hat nichts Beängstigendes mehr.)

 

Durch den Perspektivwechsel hat sich in dem Bild etwas grundlegend verändert. Die Szenerie ist eine ganz andere. Das Bedrohliche und Beängstigende ist verschwunden. Das ist im Leben oft ebenso. Kein Mensch hat nur Angst oder niemals Angst. Jeder Mensch erlebt auf seine Weise Momente der Angst oder des Mutes. Wenn man Angst hat, beispielsweise vor einer wichtigen Entscheidung, lohnt es sich, die Blickrichtung zu ändern. Bei dem Kippbild sieht es einerseits so aus, als hätte der Vogel auf dem Bild einen Menschen im Schnabel, den er vermutlich gleich verschluckt. Die Szene hat etwas Bedrohliches, Alptraumhaftes. Andererseits sehen wir, wenn wir das Bild kippen, einen Fischer, der einen großen Fisch fängt. Das ist eine eher idyllische Szene, obwohl wir das gleiche Bild betrachten.

 

In der Schriftstelle vom Gang Jesu auf dem Wasser ängstigen sich zunächst alle, die im Boot sitzen, denn sie glauben, dass ein Gespenst auf sie zukommt. Als Jesus ihnen aber zuruft: „Fasst Mut! Ich bin es, fürchtet euch nicht!“ erkennen sie ihn. Sie sehen die ganze Situation in einem anderen Licht und haben keine Angst mehr. Petrus wird mutig. Er möchte wie Jesus auf dem Wasser gehen. Aber sobald er den Blick von Jesus abwendet und den starken Wind wahrnimmt, bekommt er Angst und geht unter. Er blickt wieder zu Jesus und ruft: „Rette mich.“ Der Herr reicht ihm die Hand und zieht ihn empor. Der Blick auf Jesus gibt Halt.

 

Lässt sich das, was wir anhand der Kippbilder und der Geschichte aus dem Matthäusevangelium beobachtet haben, auf unser Leben übertragen? Wie schaue ich auf die Welt? Warum fällt es mir schwer, mich zu entscheiden? Habe ich Angst vor dem Leben, zu dem mich Gott ruft? Vor wem oder was habe ich Angst? Kann ich meine Perspektive verändern? Kann ich – wie Petrus – Jesus um Hilfe bitten?

 

Mit dem Begriff „Berufung“ geht es uns in der Kirche ähnlich wie mit dem Kippbild. Gott ruft uns, unser Leben als Christen zu leben. Manche ruft er in ein Leben als Priester oder Ordenschrist. Andere zu einer christlichen Ehe oder in bestimmte kirchliche und caritative Berufe. Für die einen ist „Berufung“ dann ein strahlendes Wort, das eine Verheißung in sich trägt. Für die anderen stellt es etwas Bedrohliches dar: Ich kann meine eigenen Pläne nicht verwirklichen, sondern muss das tun, was ein anderer von mir will. Da fehlt die Freiheit, das engt mich ein.

 

Auch hier gilt es, die Perspektive zu überprüfen und das Bild von der anderen Seite zu betrachten: Sicher beinhaltet „Berufung“ vieles, was auf den ersten Blick verunsichern kann. Aber andererseits wissen wir, dass Jesus nicht das Schlechte für uns will. Er mag manches von uns fordern, was uns an Grenzen führt und uns herausfordert, aber er lässt uns nicht allein. Er rettet uns, er gibt uns Orientierung und führt uns in den Frieden, den das zweite Bild ausstrahlt.

 

Lied

GL 450 – Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, als Kanon möglich

 

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast den Jüngern gesagt: „Habt keine Angst!“

Du gibst Trost und Halt. Wir bitten dich:

Menschen erleben durch Krieg und Vertreibung große Angst. Sei ihnen in ihrer Not nahe. Schenke ihnen Zuversicht und Vertrauen auf eine bessere Zeit.

Jesus, du Bruder aller Menschen …

Die Angst vor Klimakatastrophen und Umweltzerstörung bewegt gerade junge Menschen. Hilf ihnen, sich nicht davon lähmen zu lassen. Lass die Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik Entscheidungen treffen, die helfen, deine gute Schöpfung zu bewahren.

Jesus, du Bruder aller Menschen …

Jugendliche blicken mit gemischten Gefühlen auf ihre Zukunft. Stärke sie im Vertrauen darauf, dass ihr Leben gelingen kann und dass du ihren Weg mitgehst.

Jesus, du Bruder aller Menschen …

Manche Menschen tun sich schwer damit, sich zu entscheiden – für einen Beruf; für Freundschaften; für eine Lebensform. Gib ihnen den Mut, im Vertrauen auf deine Hilfe den ersten Schritt zu gehen.

Jesus, du Bruder der Menschen ...

Jeder Mensch hat mit seinen eigenen Ängsten zu tun. Manche haben das Gefühl „unterzugehen“. Richte sie auf durch deinen Heiligen Geist und schenke Trost und Halt in der Bedrängnis.

Jesus, du Bruder der Menschen ...

Die Sorge um die Zukunft der Kirche bewegt viele Christen. Lass sie erkennen, dass du bei ihnen bist. Hilf ihnen, den Glauben in unserer Zeit zu bekennen und lass sie wachsen in der Liebe zueinander.

Herr Jesus Christus, du unser Bruder, du gibst uns Mut und Zuversicht. Wir danken dir und preisen dich, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und uns liebst in Ewigkeit.

Vaterunser

Wir beten gemeinsam: Vater unser im Himmel ...

 

Gebet

Guter und menschenfreundlicher Gott,

es gibt immer wieder einmal Zeiten der Furcht. In deinem Sohn Jesus Christus rufst du uns zu: Habt keine Angst.

Sei uns nahe, wenn die Angst über uns kommt, und gib uns den Blick für das Richtige und Wichtige im Leben.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

 

Alternativ

GL 9,1
Herr unser Gott!

Wenn wir Angst haben, dann lass uns nicht verzweifeln!

Wenn wir enttäuscht sind, dann lass uns nicht bitter werden!

Wenn wir gefallen sind, dann lass uns nicht liegen bleiben!

Wenn es mit unserem Verstehen zu Ende ist, dann lass uns nicht umkommen!

Nein, dann lass uns deine Nähe und deine Liebe spüren!

 

Segensbitte

So segne uns der gute Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

 

Lied

GL 446,1+4 – Lass uns in deinem Namen, Herr