»Mein  Berufungslied«

 

Anbetung mit persönlichen
Berufungsliedern von Jugendlichen

 

 

Zur Vorbereitung ihrer Gebetszeit während der 24-Stunden-Gebetsaktion „Werft die Netze aus“ haben sich die Mitglieder einer Jugendgruppe der Schönstatt Mannesjugend überlegt, dass sie im Rahmen der Anbetung ihre Gedanken darüber, was Berufung ist, vor Gott bringen wollen – und zwar mit Liedern, die sie auch in ihrer Freizeit hören. Jeder hat sich ein Lied ausgesucht, das für ihn persönlich zum Ausdruck bringt, was Berufung bedeutet, hat den Text mitgebracht, seine eigenen Gedanken dazu aufgeschrieben und ein Gebet formuliert. Als Anregung stellen wir hier dar, wie die Gebetsstunde vorbereitet und durchgeführt wurde. Zwei Teilnehmer haben ihre Texte zur Veranschaulichung zur Verfügung gestellt.

 

 

VORBEREITUNG:

 

Etwa eine Woche vor der Gebetsstunde bekommen die Jugendlichen einen Auftrag: „Bringt zur Anbetungsandacht ein Lied mit, das Euch besonders gut gefällt und das für Euch ausdrückt, was Berufung bedeutet. Schreibt auf, welche Gedanken und Überlegungen Euch dazu kommen. Bringt das Lied, den Liedtext bzw. die Übersetzung und Eure eigenen Worte dazu mit zum Gottesdienst.“

Lieder, Texte und Übersetzungen sind im Internet zu finden.

 

 

 

GEBETSSTUNDE:

 

Liturgische Eröffnung und Begrüßung

Wir beginnen unsere Andacht – im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Eingangslied

z.B. GL 461 - „Mir nach“, spricht Christus unser Held

oder God for you(th) „Herr, ich komme zu Dir“, Nr. 13; „In der Stille angekommen“, Nr. 5; „Vater, Sohn und Heiliger Geist“, Nr. 12

 

Begrüßung

Wir haben uns hier versammelt, um uns Zeit zu nehmen für den Herrn. Mit unserer Andacht beteiligen wir uns an der 24-Stunden-Gebetsaktion um geistliche Berufungen. Aus diesem Grund wollen wir miteinander beten und uns gegenseitig mitteilen, was Berufung für uns bedeutet. Eine Möglichkeit, die eigenen Gedanken und Gefühle zum Ausdruck zu bringen, ist die Musik. Deshalb hat jeder von Euch ein Musikstück mitgebracht, das etwas zum Thema Berufung aussagt, was für Euch persönlich wichtig ist.

 

Lied zur Aussetzung

GL 497,1+2+7 - Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir

Währenddessen Aussetzung des Allerheiligsten

 

Gebet

Gott,

du rufst uns

du rufst uns ins Leben

du rufst uns in ein Leben als Christ

Gott,

du rufst uns,

du rufst jeden einzelnen von uns

du rufst jeden mit einer einzigartigen Melodie

Gott,

du rufst uns

du rufst uns hier und jetzt

du rufst uns in deine Gegenwart

Amen.

 

Erstes Lied wird vorgespielt

Der erste Sprecher (Markus Strittmatter, 21) hat das Lied „Berufung“ von SEOM mitgebracht. Das Lied wird vorgespielt.

 

Erster Liedtext wird vorgelesen

Markus Strittmatter liest den Text des Liedes vor.

 

Persönliche Überlegungen zum Lied

„Das Thema „Berufung“ berührt jeden Menschen in seinem innersten Kern. Gott ruft uns ganz persönlich. Lassen wir uns hier und jetzt darauf ein und schauen wir in dieser Stunde auf die verschiedenen Ebenen unserer Berufung: auf die Berufung zum Menschsein, zum Christsein und auf den Ruf zu unserem je eigenen Weg, der uns zu einer Entscheidung für unser Leben, zu einer Lebensentscheidung herausfordert.

Diese Entscheidung können nur wir selber treffen. Wie SEOM in seinem Lied sagt: „Vertraue deinem Leben und den Zeichen auf den Wegen.“ Wir müssen für uns selber herausfinden, was uns wirklich bewegt, wozu wir berufen sind: „Folge dem, was dich bewegt und du fliegst ins Licht.“ Jeder von uns hat eine Berufung: „Du wurdest dieser Welt gesandt, um deine Kräfte zu entfalten.“ Du rufst uns in der Stille. „Folge deiner inneren Stimme.“ Herr, gib du uns den Mut zu dem entschiedenen JA zu deinem Ruf!“

 

Gebet

Im Anschluss spricht Markus Strittmatter ein freies persönliches Gebet.

 

Stille (3–5 min.)

 

Zweites Lied wird vorgespielt

Der nächste Teilnehmer (Lukas Perisset, 20) hat das Lied „Where is the Love“ von The Black Eyed Peas mitgebracht. Das Lied wird vorgespielt.

 

Zweiter Liedtext wird vorgelesen

Lukas Perisset liest eine Übersetzung des Liedes vor.

 

Persönliche Überlegungen zum Lied

„Das Lied hat eine zentrale Frage: Wo ist die Liebe geblieben? In unserer heutigen Zeit, die von Krieg, Terror und Rassismus geprägt ist, fällt es schwer, die Liebe zu sehen. Im Fernsehen, Radio und in den Zeitungen erscheinen fast täglich neue schlechte Nachrichten, wie der Anschlag eines Rechten auf zwei Moscheen in Neuseeland, den islamistischen Terroranschlägen am Ostersonntag in Sri Lanka oder die Meldung, dass wieder dutzende Flüchtlinge auf dem Weg in ein besseres Leben unweit der Küste Tunesiens ertrunken sind. Obwohl das Lied schon etwas älter ist, die Frage nach der Liebe bleibt dennoch aktuell. Auch in unserem hektischen Alltag bleibt oft zu wenig Zeit für die Liebe. Denn wann haben wir das letzte Mal jemandem einen Gefallen erwiesen, ohne die nötige Bitte zuvor? Wie oft laufen wir an einem Bedürftigen auf der Straße vorbei, ohne auch nur einen Gedanken an ihn und seine Situation zu verschwenden? Wo haben wir das letzte Mal Liebe gezeigt? Durch den Stress des Alltags blenden wir die Probleme und Nöte der anderen Menschen aus; wir merken nicht mehr, dass es anderen schlecht geht, und es ist für uns sogar zur Gewohnheit geworden, die herzzerreißenden Meldungen in den Medien gefühllos einfach nur hinzunehmen.

Ich als SMJler, der sich das Motto „Apostelsein“ auf die Fahne schreibt und natürlich auch als gläubiger Christ, fühle mich berufen, nicht nur in meiner eigenen Welt, in meinen vier Wänden zu bleiben, sondern meine Umwelt besser wahrzunehmen und die Sorgen und Nöte meiner Mitmenschen, meines Nächsten, besser zu erkennen und zu handeln. In der Berufung als Apostel, als Nachfolger Jesu, der mit gutem Beispiel vorangeht, sehe ich nicht nur das fromme Beten und die Verbreitung des Glaubens, sondern auch gläubiges Handeln. Das Lied fragt nicht zu Unrecht: „Könnt ihr umsetzen, was ihr predigt?“.

Jesus selber hat nicht die weltpolitischen Probleme der damaligen Zeit gelöst. Er zeigt auf, dass man auch im Kleinen und Verborgenen Gutes tun kann. Dasselbe gilt für heute: Wie sehr schmerzen mich also 50 Cent, mit denen ich an der Autobahnraststätte nur auf die Toilette gehen kann?
Sind sie in Form eines Brötchens für einen Hungernden in der Freiburger Innenstadt oder in Form von umgerechnet 250 Liter sauberem Wasser für afrikanische Kinder nicht weitaus besser angelegt? Oder wo kann ich in meinem bekannten Umfeld jemandem durch ein kurzes aufbauendes Gespräch mit offenem Ohr, durch das Abnehmen einer zu groß gewordenen Aufgabe oder das Erfüllen eines Wunsches helfen?

Die zentrale Frage des Liedes: „Wo ist die Liebe?“ lässt sich schlussendlich für mich so beantworten. Die Liebe lässt sich in der Nachfolge Jesu finden: In jeder noch so kleinen Tat, die bewirkt, dass wir einem Mitmenschen, einem Nächsten, helfen und unsere Welt zu einem besseren Ort machen. Und dazu bin ich berufen.“

 

Gebet

Zum Abschluss spricht Lukas Perisset ein freies persönliches Gebet.

 

Stille (3–5 min.)

 

Die Beiträge der anderen Teilnehmer folgen nach demselben Schema. Anschließend folgt der liturgische Abschluss.

 

Vaterunser

Wir haben unsere Gedanken und Bitten zum Ausdruck gebracht – mit Musik und unseren eigenen Worten. All das möchten wir hineinnehmen in das Gebet, das der Herr uns zu beten gelehrt hat: Vater unser…

 

Anbetungslied aus dem Gotteslob oder einem Liederheft

Währenddessen Reponieren des Allerheiligsten:

GL 427 – Herr, deine Güt ist unbegrenzt

alternativ: (God for you(th) „Nada te turbe“, Nr. 690; „Adoramus te, Domine“

 

Segensbitte (aus: „Beten. Anbetungsstunden, Gebete und Fürbitten um geistliche Berufungen“, Zentrum für Berufungspastoral, S. 65)

Gott, der Schöpfer, dem wir all unsere Kräfte verdanken, stärke uns, dass wir seinen Willen erfüllen können.

Jesus Christus, der als Sohn Gottes zum Bruder aller Menschen wurde, mache uns bereit, Gott und dem Nächsten zu dienen.

Der Heilige Geist wohne in uns und erleuchte unsere Augen, damit wir sehen können, was unsere Aufgabe ist.

Das gewähre uns der dreieinige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. – Amen.

 

Oder Eucharistischer Segen und Abschluss

GL 592,4

 

Schlusslied

GL 389 – Dass du mich einstimmen lässt

alternativ: (God for you(th) „Keinen Tag soll es geben“, Nr. 269; „Bewahre uns, Gott“, Nr. 272; „Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen“, Nr. 280