Recht und gut
geschehen

 

Wie der frühere Topmanager Thomas Middelhoff
im Gefängnis seinen Glauben und sich selbst
wiederentdeckt hat


Für den Manager Thomas Middelhoff zählte nur eins – der Erfolg. Als Chef der Bertelsmann AG und Vorstandsvorsitzender des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor gehörte der heute 65-Jährige zur Wirtschaftselite. Doch mit der Pleite von Arcandor geriet Middelhoffs Leben aus den Fugen. Im November 2014 wurde er wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Es folgten Privatinsolvenz und Trennung von seiner Frau nach 45 Jahren. Durch die Bedingungen der Haft leidet er heute an einer unheilbaren Autoimmunkrankheit. Über die Zeit im Gefängnis, seine Erlebnisse als Hilfsarbeiter in einer Behindertenwerkstatt und den Sinn des Lebens sprach der bekennende Katholik im Interview mit Kerstin Humberg.



Herr Dr. Middelhoff, seit Mitte November 2017 sind Sie wieder auf freiem Fuß. Wie geht es Ihnen heute?


Middelhoff: Ich nehme zwölf verschiedene Tabletten am Tag, um mein Immunsystem zu kontrollieren – ein täglicher Vergiftungsprozess. Unabhängig davon geht es mir gut. Dinge, die mir früher gar nicht bewusst waren, genieße ich heute – die Freiheit, einfach vor die Tür zu treten oder mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Heute lebe ich viel bewusster.

„Mir geschehe“ lautet das Jahresthema des Zentrums für Berufungspastoral. Was verbinden Sie damit?


Middelhoff: Gottvertrauen. Mir geschehe, was Gott als richtig erachtet. Mir geschehe, dass ich in Umstände gebracht werde, die mich zur Vernunft bringen oder zum Glauben zurückführen. Rückblickend kann ich sagen: Die Ursachen für all das, was passiert ist, liegen alleine bei mir. Deshalb ist mir recht geschehen – und gut geschehen.

Weihnachten 2014 haben Sie im Gefängnis verbracht. Im Gottesdienst hinter Gittern hieß es: „Wenn Jesus nochmal geboren würde, dann in der JVA Essen“. Was würden Sie Jesus entgegnen, wenn er Sie fragen würde: Thomas, was ist dir geschehen?


Middelhoff: Dann würde ich sagen: Ein Wunder (lacht). Es ist ein Wunder, dass ich die Chance bekommen habe, mein Leben neu zu ordnen, mich selbst neu auszurichten, auch wenn das mit enormen Schmerzen verbunden war. Heute habe ich das Gefühl, Dinge zu tun, die mir wirklich wichtig sind – und dabei Wert zu stiften.

Wie machen Sie das?


Middelhoff: Etwa, indem ich meinen Erfahrungsschatz mit Unternehmern oder Studenten im Rahmen von Vorträgen teile: „Meine Fehler müsst Ihr nicht noch mal machen!“. Früher habe ich eine Rolle gespielt. Dazu gehörte die Haltung: Ich mache keine Fehler – und gebe erst recht keine Fehler zu. Als Manager habe ich meine Eitelkeiten gepflegt. Ich war immer besorgt darum, mein öffentliches Bild zu polieren. Jetzt liegt alles in Trümmern. Das macht es mir heute viel leichter, ehrlich über unternehmerisches Handeln oder die schwierige Balance zwischen Privatem und Geschäftlichem zu reden.

Ihr Buch „A 115 - Der Sturz“ beginnt mit einem Bibelzitat: „Der Herr hat gegeben; der Herr hat genommen. Gelobt sei der Name des Herrn!“ (Hiob 1,21). Was wollten Sie damit zum Ausdruck bringen?

Middelhoff: Dass ich vieles besessen und fast alles wieder verloren habe. Trotzdem bin ich keineswegs verbittert, sondern dankbar für all das, was Gott mir in meinem Leben hat zuteil werden lassen - dafür, dass er mein Herz mit Kraft und Optimismus erfüllt hat. Je mehr mir genommen wurde, desto befreiter fühlte ich mich. Schon im Gefängnis, aber vor allem in meiner Zeit als Freigänger im offenen Vollzug. Gepaart mit meiner Tätigkeit in einer Behindertenwerkstatt habe ich gelernt, mit wenig auszukommen und trotzdem glücklich zu sein.

Glück – was heißt das für Sie?

Middelhoff: Freiheit! Seine Talente nutzen und einen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu können. In Einklang mit sich und Gott leben. Ich denke, dass ich jahrzehntelang einer falschen Glücksformel hinterhergerast bin. Diese Formel hatte bei mir sehr viel mit wirtschaftlichem Erfolg zu tun. Für mich gab es da einen funktionalen Zusammenhang.
Dadurch habe ich meiner Frau sehr viel genommen. Mir selber aber auch. Bei der Geburt unseres vierten Kindes rief die Sekretärin im Kreißsaal an und fragte, wie lange es noch dauern würde. Damals war ich glücklich, wenn ich erfolgreich war. Betriebsergebnis, Gehalt, Fortune 100 Liste [Liste der 100 einnahmestärksten US-amerikanischen Unternehmen, die Red.] – das waren die Dinge, an denen ich mich gemessen habe. Aus heutiger Sicht war das ein ziemlich leeres, ödes Leben.

Welche Eigenschaften haben Sie als Manager erfolgreich gemacht – und von welchen profitieren Sie immer noch?

Middelhoff: Ich denke Begeisterungsfähigkeit, Disziplin und Belastbarkeit. Wenn ich wollte, konnte ich einen ganzen Saal mitreißen! Meine physische und psychische Belastbarkeit ist extrem. Anders kann ich mir auch nicht erklären, dass ich die letzten Jahre weitestgehend schadlos überstanden habe. Heute könnte auch ein gebrochener Mann vor Ihnen sitzen.
 
Wenn Sie das Rad der Zeit zurückdrehen könnten, was in Ihrem Leben würden Sie heute anders machen?

Middelhoff: Ich bereue, dass ich nicht mehr Zeit gehabt habe für meine Frau und meine Kinder. Ich bereue, dass ich als Manager Fehler gemacht und meine Frau betrogen habe. Trotzdem würde ich nichts rückgängig machen wollen. Ohne diese Erfahrungen wäre ich heute nicht der Mensch, der vor Ihnen sitzt.

In der öffentlichen Wahrnehmung sind Sie der Karstadt-Manager, der ins Gefängnis gegangen ist. Wer sind Sie wirklich?

Middelhoff: Mein Zuhause war konservativ katholisch geprägt. Mitgenommen habe ich den unbedingten Glauben an Gott. Als junger Student in Münster wollte ich Buchautor werden und zum Glück anderer Menschen beitragen. Deshalb habe ich neben Betriebswirtschaft auch Publizistik studiert. Dann kam alles ganz anders. Als Nachwuchsführungskraft hatte ich Vorbilder. Ich habe vieles kopiert und war nicht mehr authentisch. Dadurch habe ich mich immer weiter von meinem eigentlichen Kern entfernt. Jahrzehnte später wird mein Leben auf den Kopf gestellt – und ich kehre zu dem zurück, was ich als Student sein wollte.

Ihre Zelle A115 in der JVA Essen war circa 8qm groß. Was waren für Sie die prägendsten Erfahrungen in der Haft?

Middelhoff: Das Schlimmste war der Freiheitsentzug - eine fürchterliche Erfahrung. Als sich die Zellentür hinter mir schloss, spürte ich Tonnenlasten auf mir. Ich hatte das Gefühl, mir wird die Luft aus den Lungen gesogen, ich kann nicht mehr atmen. Ich stand völlig fassungslos da: Wie kann das sein, dass du jetzt hier bist?

Was dann?

Middelhoff: Zuerst kam nochmal das alte Managertier durch. Ich habe versucht, Ordnung zu schaffen in der Zelle, meinen Tagesablauf neu strukturiert. Aber irgendwann musste ich erkennen: Das füllt dich nicht aus. Das war wie eine Form der Zwangsexerzitien.

Tatsächlich haben Sie im Gefängnis zum Glauben zurückgefunden. Wie kam es dazu?

Middelhoff: Der Impuls war die Frage: Wie kann es sein, dass du jetzt hier bist? Natürlich habe ich die Schuld erstmal bei anderen gesucht: falsche Anwälte und so. Aber irgendwann habe ich mich gefragt: Könnte es sein, dass Gott dir irgendetwas zeigen will? Was soll ich hier lernen? Nach einer Woche hatte ich plötzlich das Bedürfnis, die Bibel zu lesen. Von vorne bis hinten. Dann kam der Drang, zu beten, Rosenkranz zu beten. Schließlich bin ich beim Gefängnispfarrer zur Beichte gegangen. Ein abendfüllendes Programm! Zurück in meiner Zelle fühlte ich mich wahnsinnig erleichtert. Wie neu geboren.
 
War das der Freispruch aus göttlicher Sicht?

Middelhoff: Das weiß ich nicht. Ich hatte ein paar persönliche Themen, die mich sehr beschäftigt haben. Mein jüngerer Bruder hat sich umgebracht. Ich war der Letzte, mit dem er gesprochen hat, und ich konnte ihn nicht davon abhalten. Oder meine Ehefrau betrogen zu haben... das sind ja alles Dinge, die nicht schön sind. Anschließend habe ich mich dreimal besser gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass ich alles in großer Reue und mit Demut vor Gott getragen habe, und plötzlich konnte ich wieder frei atmen.

Was bedeutet Demut für Sie?

Middelhoff: Sich zurücknehmen können – und müssen. Hinter dem, was man als Status oder Anerkennung zugesprochen bekommt. Sich nicht selbst als Zentrum des Universums definieren! Früher hätte ich gesagt: Das habe ich mir alles erarbeitet. Also steht es mir zu, und so trete ich auch auf. Dass ich keine ausreichende Demut mehr hatte, dass ich arrogant war und narzisstisch – das war sicher eine meiner großen Schwächen.
Menschliche Demut musste ich erst mal wieder lernen.

Wut, Angst, Hoffnung – in der Haft haben Sie die gesamte Palette menschlicher Emotionen erlebt. Wofür waren Sie dankbar?

Middelhoff: Momente der Dankbarkeit habe ich erlebt, wenn ich sonntags zum Gottesdienst gehen durfte. Dankbar war ich auch, wenn Lebensmittelrationen verteilt wurden. Das größte Geschenk hat mir jedoch ein JVA-Beamter gemacht, von dem ich unglaublich menschlich behandelt worden bin. Am 1. Weihnachtstag durfte ich alleine duschen. Was für ein Glücksgefühl! Dankbar bin ich auch dem evangelischen Pfarrer, der sich dafür eingesetzt hat, dass ich meine Familie in seinen Räumen treffen konnte. Ich bin sehr dankbar, solchen Menschen begegnet zu sein.

Hinter Gittern hatten Sie viel Zeit zum Nachdenken. An Wochenenden haben Sie bis zu 72 Stunden alleine in Ihrer Zelle verbracht. Welche Fragen sind Ihnen gekommen?

Middelhoff: Erstens: Bist du dir selber ehrlich gegenüber oder versuchst du hier nur einen Modus zu finden, mit dem du selbst gut leben kannst? Zweitens: Welche grundsätzlichen Fehler hast du jahrzehntelang mit dir herumgetragen und warum? Drittens: Wie komme ich zu einem nachhaltig bereichernden Leben?

Sie sagen, heute fällt es Ihnen leichter über Fehler zu sprechen. Welche Fehler?

Middelhoff: Mein größter Fehler war die Gier. Gier in alle Richtungen. Eine Todsünde! Das war Gier nach öffentlicher Anerkennung. Gier nach dem Bonus. Gier nach steuerlicher Optimierung und Gier im zwischenmenschlichen Bereich. Für diese Gier bin ich bestraft worden. Zu Recht. Damit Hand in Hand ging die Erkenntnis, dass ich ein wirklich arroganter Typ geworden war, mit narzisstischer Ausprägung. Der junge Student, der Menschen glücklich machen wollte, war mit der Zeit zu einem echten Kotzbrocken geworden.

Zu dem Manager, der sich einen Bonus in Millionenhöhe genehmigt, obwohl sein Unternehmen rote Zahlen schreibt und der Verlust von Arbeitsplätzen droht?


Middelhoff: Ja, in der Rückschau kann ich die öffentliche Kritik an dem Bonus, den ich bei Arcandor bekommen habe, absolut nachvollziehen. Heute denke ich: Wenn ein Manager Wachstum und Arbeitsplätze schafft, dann ist der Bonus gerechtfertigt. Nicht gerechtfertigt sind Boni, wenn Manager bedingungslos Arbeitsplätze vernichten und Familien ins Unglück stürzen, nur um vorgegebene Unternehmensziele zu erreichen.

Was haben Sie damals gedacht? Ich mache hier nur meinen Job?


Middelhoff: So ist es. Ich dachte: Ich habe das so mit dem Aufsichtsrat verhandelt. Fertig. Braucht euch nicht zu interessieren! Heute weiß ich: Ich habe falsche Bilder geschaffen und mir nichts dabei gedacht. Als ich zu Arcandor ging, war mir schon klar, dass Karstadt-Quelle ein Restrukturierungsfall ist. Mir war aber nicht klar, dass die Art und Weise, wie ich lebte – mit Luxusvilla und Yacht an der Côte d'Azur – überhaupt nicht dazu passte. Das war ein katastrophaler Fehler.

Als Manager waren Sie ein Macher. Im Gefängnis waren Ihnen plötzlich die Hände gebunden. Wie hat sich das angefühlt?

Middelhoff: Das war kalter Entzug. Da wird man in die Zelle gesteckt und weiß nichts mit sich anzufangen. Keine Termine, kein Telefon, gar nichts. Man sitzt da und wartet, dass wenigstens der Anwalt vorbeikommt. Das war wirklich heftig. Sich plötzlich alleine beschäftigen zu müssen. Nicht mehr vor sich selber weglaufen zu können, weil man den nächsten Termin hat. Das war hart.

Inwieweit kam es dabei zu einem Perspektivwechsel – etwa von „Ich bin der Topmanager“ zu „Ich bin ein Straftäter“?

Middelhoff: Den gab es. Aber natürlich habe ich mich zuerst dagegen aufgelehnt. Als man mich in der Uniklinik nachts ans Bett gekettet hat, habe ich gesagt: Habt ihr noch alle Tassen im Schrank? Ich wollte deutlich machen: Ich bin hier wegen einer Festschrift und ein paar falsch abgerechneten Flügen ... seid ihr noch normal? Erst mit der Zeit hat sich die Perspektive geändert.

Während Ihrer Zeit im offenen Vollzug haben Sie in einer Behindertenwerkstatt der Bodelschwinghschen Stiftung Bethel gearbeitet. Wie kam es dazu?

Middelhoff: Ich hatte früher schon Kontakt dorthin, weil die jüngere Schwester meiner Frau behindert ist. Ich wollte die Organisation näher kennenlernen. Die Mitarbeiter hatten anfangs große Bedenken: Jetzt kommt ein Manager. Was will der denn hier? Gerade der! Trotzdem hat man mir eine Chance gegeben.
 
Als Aushilfskraft mussten Sie Werkmaterialien transportieren und die behinderten Kollegen zur Toilette begleiten. Was haben Sie aus dieser Zeit für sich mitgenommen?

Middelhoff: Dankbarkeit und menschliche Wärme. Wenn ich mit Dimitri, der im Rollstuhl saß, spazieren gegangen bin, dann sagte der anschließend mit einer unglaublichen Freude: Danke, Thomas! Und gab mir die Hand. Mein größter Erfolg war, dass ich Sebastian, einen schwerstautistisch veranlagten Menschen, dazu gebracht habe, mir sein Vertrauen zu schenken und mit mir zu reden. Wenn ich dem Aufsichtsrat bei Bertelsmann verkündet habe, dass wir unser Eigenkapital mit einem einzigen Deal versechsfacht haben, was der Wahnsinn war, war da von Dankbarkeit keine Spur.

Was verstehen Sie unter Berufung – und wozu fühlen Sie sich berufen?

Middelhoff: Unter Berufung verstehe ich einen göttlichen Auftrag. Für mich heißt das: Wissens- und Erfahrungstransfer – mit dem Ziel, anderen dabei zu helfen, ihr Leben noch besser zu meistern und vielleicht ihr Glück zu finden. In Zukunft möchte ich mich stärker sozial engagieren, zum Beispiel, indem ich Kollegen aus der Wirtschaft, die in eine vergleichbare Situation geraten, zur Seite stehe.

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat kürzlich ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Sie eröffnet. Sie sollen vor Ihrer Privatinsolvenz Teile Ihres Vermögens systematisch beiseitegeschafft haben. Was ist dran an diesen Vorwürfen?

Middelhoff: Inhaltlich kann ich Ihnen gar nichts dazu sagen. Dieser Sachverhalt ist 2015 von der Staatsanwaltschaft Bochum überprüft und eingestellt worden. Offenbar gibt es jetzt neue Erkenntnisse, deren Beurteilung sich meiner Kenntnis entzieht.

Was machen diese neuen Anklagen mit Ihnen? Wie gehen Sie damit um?

Middelhoff: Wenn man schon mal inhaftiert war und sich plötzlich mit neuen Ermittlungen konfrontiert sieht, ist der Umgang damit erst mal schwierig. Andererseits gab es inzwischen eine solche Vielzahl von Ermittlungsverfahren gegen mich, die, Gott sei Dank, alle eingestellt worden sind. Schwierig finde ich, dass ich davon wieder aus der Presse erfahren musste. Meine 93-jährige Mutter sitzt vor dem Fernseher und kriegt einen schweren Schock, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Was das für die Familie heißt, kann man sich ja vorstellen.

Was gibt Ihnen heute ein Gefühl von Sinn in Ihrem Leben?

Middelhoff: Menschen verstehen zu lassen, dass es immer eine Möglichkeit zur Umkehr gibt. Zur Rückkehr, zur Besinnung – zur besseren Ausrichtung des Lebens. Egal, wie schlimm die Tiefschläge sind. Es geht um Kraft und Lebenswillen und den Mut, Fehler einzugestehen.
 
Wie reagiert Ihr Umfeld auf Ihre Wandlung und das öffentliche Glaubensbekenntnis? Alles nur PR?


Middelhoff: Klar, all jene, die ihr festgefügtes Urteil über mich gefällt haben, kommen zu diesem Ergebnis. Das stört mich aber nicht. Das muss ich respektieren. Gleichzeitig bekomme ich heute viele Einladungen zu Gesprächen oder Vorträgen von christlichen Unternehmern, was mich sehr freut. Erstaunlich finde ich auch, dass mich Menschen auf der Straße ansprechen und sagen: Durchhalten. Wir wünschen Ihnen alles Gute!

Was würde der Ex-Manager Middelhoff der Deutschen Bischofskonferenz empfehlen?

Middelhoff: Ein bisschen mehr von dem zu übernehmen, was der Papst vorlebt. Das würde ich der Kirche raten. Der Papst hat eine unglaubliche Vorbildfunktion. Er ist ein Prototyp an Demut. Manchmal erinnert er mich an einen Konzernchef, der versucht, die Hierarchieebenen zu überbrücken, um direkt an die Mitarbeiter bzw. Gläubigen zu kommen.

Herr Middelhoff, herzlichen Dank für das Interview.



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Das Interview führte Dr. Kerstin Humberg. Nach ihrer Ausbildung durch die Katholische Journalistenschule hat sie Geographie, Politologie und Psychologie studiert. Während ihres Studiums in Hamburg hat sie u.a. für die Deutsche Presseagentur, die Berliner Morgenpost und Spiegel Online gearbeitet. Später war sie neun Jahre als Beraterin für McKinsey & Company im Einsatz. Seit vier Jahren ist Humberg Inhaberin von Yunel, einem Unternehmen, das Lebensstrategien für Menschen in der zweiten Lebenshälfte entwickelt.

Fotografie: Björn Wiedenroth, lebt und arbeitet als selbstständiger Fotograf und Gestalter in Hamburg mit einem Schwerpunkt auf dokumentarischer und Portraitfotografie.
www.bjoernwiedenroth.com