P. Thomas Gabriel Brogl OP

ist seit 2015 Provinzial der Dominikaner in Süddeutschland und Österreich. Er hat in Augsburg, Rom und Freiburg Theologie studiert und ist anschließend in den Dominikanerorden eingetreten. Nach dem Studium der Theologie der Spiritualität in Wien und der Priesterweihe hat er die Pfarrei St. Martin in Freiburg übernommen. Im Anschluss war Brogl Ausbildungsleiter und Finanzverwalter in Wien.

Sein besonderes Augenmerk gilt der Spiritualität in Wissenschaft und Praxis. Er leitet die „Schola Cordis”, die Schule christlicher Spiritualität in Wien. Mit dem 1. Mai 2018 ist er zudem verantwortlich für die Citypastoral der Dominikaner an St. Martin in Freiburg.

Mir geschehe nach
deinem Wort

 

Impulse für die Berufungspastoral aus
der dominikanischen Mystik entlang der Verkündigungsszene



1. Beten, Wasser holen oder weben? Marias aufmerksame Haltung

Wasserholen, beten oder weben? Die christliche Kunst zeigt Verschiedenes, was Maria konkret getan haben soll, als sie der Ruf des Erzengels Gabriel ereilt hat. In der westlichen Kunst hat sich ab dem späten Mittelalter zunehmend die meditierende und betende Maria durchgesetzt. Wir finden aber, vor allem im Osten, auch andere Darstellungen der Verkündigung (Lk 1,26-38). In Nazareth wird in der ostkirchlichen Verkündigungskirche sogar die Wasserquelle gezeigt, aus der Maria geschöpft haben soll, als ihr der Engel begegnete. Die andere Tätigkeit, während der Maria vom Engel überrascht worden sein soll, ist das – tief symbolische – Weben des Tempelvorhangs.



Was für uns ein großer Unterschied zu sein scheint, ist es geistlich nicht: Ob Tätigkeit oder Meditation – bei beidem ist die kontemplative Grundhaltung Marias, ihre Hörbereitschaft, das Entscheidende. Bereits diese Aufmerksamkeit ist Gebet.
 
Aufmerksamkeit und Hörbereitschaft bedürfen dabei einer inneren Stille. Der Mystiker Johannes Tauler formuliert: „Wenn Gott reden soll, müssen die Dinge schweigen” (Predigt 31). Stille lässt Gott Gott sein und ihn wirken. In der Stille bin ich nicht am Reden und Kreisen um meine Entwürfe, sondern bleibe empfänglich für das, was neu auf mich zukommen will. Dort kann der Engel sprechen. Das Schweigen „öffnet die innere Quelle, aus welcher das Wort kommt” – das „Passwort” meines Lebens, das aus dem Grund der Seele kommt. Bei meinem Computer oder meinem Smartphone brauche ich ein Passwort, damit ich Zugang zu meinen persönlichen Daten bekomme. Das „Passwort” in mir, von dem Guardini spricht, eröffnet in der Tiefe den Zugang zu mir und zeigt mir, wohin mich Gott in meinem Leben führen will. Dieses „Passwort” ist etwas zutiefst Persönliches; zugleich ist Gott mir darin gerade besonders nahe, weil ich erfahre, dass er mich in meiner Einzigartigkeit ruft.
Eine zentrale Voraussetzung, damit Berufungen gehört werden, ist also, dass es Orte des Schweigens gibt – man könnte auch sagen: Orte des „Nicht”.
Wir sind heute ständig „online”; und auch wenn wir einmal „offline” sind, geht uns die Vielfalt der Eindrücke nach, weil sie in unserem Inneren ihre Fußspuren hinterlassen haben. In der Begleitung suchender Menschen ist für die Kirche heute wohl weniger das „Machen” spannender Impulse zentral. Viel wichtiger erscheint vielmehr das Anbieten von Freiräumen. „Ent-werden” und „ent-bilden” nennt der Mystiker Meister Eckhart diese zentrale Aufgabe jedes geistlichen Lebens, d.h. das Schaffen von Momenten, in denen ein „nicht wollen, nicht wissen, nicht haben” sein darf. Nach Eckhart ist man nur bereit für die „Gottesgeburt”, wenn man „ledig” und nicht „besetzt” ist, d.h. frei für die Wahrnehmung von Gottes Ruf, der im eigenen Inneren schon da ist und nur ent-deckt werden muss.


2. Im Blick sein –
„Du bist voll der Gnade”


Ein zweiter Moment der Verkündigungsszene ist der Gruß des Engels: „Sei gegrüßt, Maria, Du bist voll der Gnade. Der Herr ist mit Dir“ (vgl. Lk 1,28).

Maria erfährt sich als ganz in Gottes Blick, ganz in seinem An-Sehen. Der Erzengel Gabriel offenbart ihr dieses „voll der Gnade“-Sein. In den Verkündigungsdarstellungen geht der große Erzengel sogar vor der einfachen jungen Frau Maria in die Knie. Die Engel sind die, die vor Gott stehen und in der „An-schauung“ Gottes leben. Dieser Blick auf Gott prägt sie. Sie sehen auch, wie Gott die Menschen sieht. Gabriel vermittelt diesen Blick nun Maria. Die Mystikerin Katharina von Siena hat diesen Blick Gottes ganz ähnlich auf alle Menschen hin erfahren, wenn Gott am Anfang ihres Werkes „Dialog“ zu ihr spricht: „Öffne das Auge deines Geistes und schau in Mich, hier wirst du die Würde und Schönheit Meines vernunftbegabten Geschöpfes erkennen“5. Ein Blick in Gottes Herz offenbart uns unsere ganze Schönheit. Berufung heißt: diese Schönheit zu verwirklichen.

Berufung ist deshalb immer ein Beziehungsgeschehen, und manchmal wählt Gott auch Menschen zu diesem „Gabrielsdienst“ aus: dazu, ein „Engel“ zu sein, der das „Du bist voll der Gnade“ zuspricht. Es ist der liebende Blick des Anderen, in dem mir der Reichtum des eigenen Herzens offenbar wird. Dann nehme ich wahr, dass meine Gaben danach rufen, verwirklicht zu werden und ihren Platz zu finden, um fruchtbar und zum Segen werden zu können. So wächst die Sehnsucht, seine Berufung zu leben.
Dieser Reichtum hat bei aller Vielfalt aber letztlich nur eine Quelle und einen Inhalt: mit ganzer Hingabe zu lieben und Liebe zu werden. Denn der Mensch ist „aus dem Stoff der Liebe geschaffen und er kann gar nicht anders, als zu lieben“.

Für die Berufungspastoral heißt das, dass wir zu diesem „Engelsdienst“ für die anderen gerufen sind: ihnen diesen göttlichen Blick, d.h. wie Gott sie sieht, zu vermitteln. Dafür ist es wichtig, auch sich selbst in diesem Blick Gottes zu wissen. Nur dann können wir selbst durchsichtig sein für den Blick Gottes auf den Anderen. Dies kann man nicht „machen“, sondern nur an sich geschehen lassen; und dafür muss man aus der alltäglichen Hetze und dem „Machen“ immer wieder aussteigen und „sich unterbrechen lassen“. Nichts „tun“, sondern sich vor allem dem Blick Gottes aussetzen. Meister Eckhart fordert uns hier zu einem Umdenken auf: „Die Menschen sollen nicht so viel nachdenken, was sie tun sollen, sie sollen vielmehr bedenken, was sie sind“ (Reden der Unterweisung 4). Dieses „Sein“ hat Ausstrahlung, ohne dass es viele Worte und Taten braucht.

Noch ein Weiteres scheint mir wichtig: Es gibt zwei Gebetsformen, die diesen liebenden Blick besonders vermitteln – die  Kontemplation oder das Jesus-Gebet und die Anbetung. Sie verdichten das geistliche Geschehen auf das „eine Notwendige“ (vgl. Lk 10, 42): Gottes Zuspruch „Du bist voll der Gnade“. In Gottes Blick wird der Mensch frei, so dass die Schichten, die sich über das Innere gelegt haben, wegfallen können und das „Passwort“ freigelegt wird.

Ein Zweites ist in diesem Zusammenhang wesentlich: Sich die Zeit zu nehmen, für den Anderen zu beten. Besonders eindrücklich hat dies Papst Benedikt XVI. einmal formuliert, als er sagte, dass sein wichtigster Dienst das Gebet für die Welt sei – der Papst, ein Mann, der – so könnte man meinen – wahrlich ständig etwas zu tun hatte.
Die Zusage „Der Herr ist mit Dir“ ist in der Folge der Verkündigungsszene das Fundament und die Quelle der Kraft für all das, was Gott dann durch Maria an Großem wirken will.


3. „Ja, aber...” – den guten Widerspruchsgeist zulassen


„Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lk 1,34) Maria schluckt nicht einfach, was ihr unterbreitet wird, sondern fragt nach, legt ihre Zweifel und Fragen offen. Sie ist alles andere als eine „Ja-Sagerin“.

„Die blökenden Schafe, die zu allem Ja sagen, ohne groß zu denken“ – das ist ein Zerrbild von Kirche, das oft vermittelt wird. Die Heilige Schrift zeigt uns ein anderes Bild: Gerade dem Menschen mit Widerspruchsgeist kommt Gott besonders entgegen. Dem zweifelnden Apostel Thomas schenkt der Auferstandene eine eigene Erscheinung und bietet ihm seine „offene Flanke“ dar. In der Begegnung löst sich der Zweifel und verwandelt sich in das wunderbare Bekenntnis des Thomas: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28).

Der Zweifel ist keine Sackgasse des Glaubens, sondern wie ein läuterndes Feuer und eine Durchgangsstation, wo so manches „Stroh“ verbrennt und ein neuer, tieferer Glaube wachsen kann. Glaube muss erwachsen werden, und mit ihm kann sich auch das Menschsein voll entfalten, so dass sich Berufung dann aus der richtigen Motivation speisen kann. Es braucht daher auch Ermutigung zum Zweifel.
Ganz ähnlich verhält es sich auch bei Emotionen, wie zum Beispiel dem Zorn. Er zeigt an, dass etwas noch nicht integriert ist. Hinter solchen Emotionen stecken gute Kräfte, die jedoch verletzt oder gefesselt sind. Diese Emotionen selbst sind oft Wegweiser auf etwas Inneres, das noch seinen Platz sucht. Je mehr ein Mensch zu sich befreit ist, desto offener liegt die Berufung und desto tiefer können sich alle seine Kräfte in den Dienst dieses Rufes stellen.
Im kontemplativen Exerzitienweg von Franz Jalics gibt es einen Stufenweg der Meditation des Wortes „Ja“ über den Namen „Maria“ hin zu „Jesus Christus“. Bei der ersten Stufe ist sogar die Möglichkeit vorgesehen, dass statt dem „Ja“ auch das „Nein“ meditiert wird; dieses Zulassen des „Nein“ in mir wird oft als befreiend erfahren und fördert viel zutage, das in den Kellern unseres Lebens ruht und das Wachstum hemmt. Ist es aber gehoben, stellt es sich in den Dienst des Wachstums und damit der Berufung des Menschen – und bewirkt neue Lebendigkeit.

Ganz ähnlich ist es mit den eigenen Schwächen, die es befördern können, dass die Gnade wirken kann. Der Mystiker Johannes Tauler hat dafür ein sehr sprechendes Bild: „Das Pferd macht den Mist in dem Stall, und obgleich der Mist Unsauberkeit und üblen Geruch an sich hat, so zieht doch dasselbe Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus wachsen der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, die niemals so wüchsen, wäre der Mist nicht da. Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht beseitigen, nicht überwinden noch ablegen kannst, die trage mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Streue deinen Mist auf dieses edle Feld, daraus sprießt ohne allen Zweifel in demütiger Gelassenheit edle, wonnigliche Frucht auf.“ (Predigt 6)
Das Zulassen des „Nein“ in mir wird oft als befreiend erfahren und fördert viel zutage, das in den Kellern unseres Lebens ruht und das Wachstum hemmt.  Der „Mist“ verhilft uns zuweilen zur richtigen Haltung gegenüber Gott: wahrhaftiges Menschsein statt eines falschen Perfektionismus, der keine Menschwerdung ermöglicht und Gott keine Chance gibt, den „Fuß in die Tür zu bekommen“.
All dies ist in der kritischen Nachfrage Marias mit enthalten und zeigt uns, dass auch und gerade Zweifel, Zorn, das „Nein“ und der „Mist“ des Lebens eine wichtige Hinweisfunktion haben: all das zeigt etwas an, das noch nach Erlösung und Befreiung durch Christus ruft, damit Berufung freigelegt und auch dieser Teil des Menschen Christus nachfolgen kann.




4. Die Zusage Gottes – ich werde mit dir sein

„Heiliger Geist wird über dich kommen und Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.“ (Lk 1,35)
Diese Zeilen, die der Evangelist Lukas überliefert, sind nicht nur eine Antwort auf Marias Frage, sondern auch ein viel weitergehender Hinweis. Maria wird als „Braut des Heiligen Geistes“ bezeichnet. Das zeigt, dass sich hier eine viel tiefere Bindung vollzogen hat. Es geht um weit mehr als um die bloße Antwort auf eine Frage. Maria überlässt sich ganz dem Wirken des Heiligen Geistes, der die Gottesgeburt in ihr bewirkt.

Auf dem Berufungsweg entspricht dies dem freudigen Sich-Einlassen auf die innere Bewegung und das Feuer, das im Innersten brennt. Meister Eckhart nennt es „Seelenfünklein“. Dieses führt den Menschen und lädt ihn ein, sich sozusagen vom „Fahrersitz auf den Beifahrersitz“ zu setzen und Gott „ans Steuer zu lassen“: „Es gibt eine Kraft in der Seele, die [...] wird mit Gott vereint: das ist das Fünklein der Seele, [...] es ist ein Bild göttlicher Natur, das allwegs dem widerstreitet, das nicht göttlich ist“ (Predigt 55). Wenn es offen liegt und wahrgenommen wird, ist es ein sicherer Kompass auf dem Weg zu Gott.

Dass der Engel auf Elisabet, Marias Verwandte, und das Wunder ihrer Schwangerschaft verweist, zeigt schließlich, dass dieses Berufungsgeschehen kein rein individuelles ist, sondern eingebunden ist in eine Gemeinschaft: in die Gemeinschaft der Kirche. Maria und Elisabet sind sich zur gegenseitigen Hilfe gegeben, und es ist auch heute eine wichtige Aufgabe von Kirche, die „Berufenen“ zusammenzuführen, damit sie sich am „Wunder“ der Berufung des Anderen stärken können.

Ein Drittes und Letztes: Maria fragt an diesem Punkt nicht weiter. Es hätte noch so manche Frage gegeben, z.B. die nicht unwichtige, was denn ihr Verlobter zu dieser Schwangerschaft sagen wird? – es stand ja das Leben Mariens auf dem Spiel. Maria aber genügt die Zusage und der Verweis auf Elisabet, um sich vertrauend darauf einlassen zu können.
Hier wird deutlich: Es gibt in einem Berufungsgeschehen auch den Punkt, an dem es gilt, sich auf den nächsten Schritt hin loszulassen und ihn zu gehen. So mancher Ruf ist auch an einem ängstlichen Zögern, einem Zerreden oder dem Ausschalten-Wollen aller Eventualitäten zerfasert. Dem Ruf zu folgen ist ein Akt, der auch die Dunkelheit des Glaubens in sich trägt: „Kehr dich nicht dahin, um dort zu ruhen, lass es sein, was es will, frage und forsche nicht weiter, halte dich unten, tauche ein in dein Nichtwissen und Nichtwissen-Wollen. Halte dich, von allem entblößt, an deinen verborgenen und unbekannten Gott, und denke, du seist nicht der Mensch, den großen, unbekannten Gott irgendwie zu erkennen; bleibe vielmehr in Stille und Ruhe ohne Erleuchtung und Empfinden“.  (Johannes Tauler: Predigt 54)


5. Hingabe mit allem „Aber” – „mir geschehe”

Am Schluss der Perikope steht das wunderbar schlichte und klare Wort Marias „Mir geschehe, nach Deinem Wort“ (Lk 1,38). Maria vollzieht damit das Wort des Vaterunsers: „Dein Wille geschehe“, in dem wir Gott das tägliche Brot unseres Lebens immer wieder zur Wandlung übergeben.

Dieses Hingabe-Wort ist nur möglich in Gott und somit in der höchsten Form der Freiheit. In ihr weiß der Mensch um sich – gerade auch um seine Schwächen und Fehler –, besitzt sich in diesem Sinn selbst und stellt sich so – so tief er es kann – zur Verfügung. Es ist ein demütiges, schwaches, leises und zugleich unglaublich tapferes, starkes und großes Wort. In ihm übergibt sich der Mensch der Vorsehung Gottes, weil er weiß, dass in allem ein gütiges Sehen Gottes ist. Und das gibt Gott die Möglichkeit, in die Welt hineingeboren zu werden.

Es ist das leiseste und zugleich schönste Wort Marias, das sie freilich beständig wiederholen und erneuern musste – bis unters Kreuz. Dieses „Ja“ lässt sich nicht inhaltlich festlegen und definieren, sondern es ist eine Übergabe an ein Du. Meister Eckhart schreibt: „In wahrem Gehorsam darf kein »Ich will so oder so« oder »dies oder das« gefunden werden, sondern nur vollkommenes Aufgeben des Deinen. Und darum soll es im allerbesten Gebet, das der Mensch beten kann, weder »Gib mir diese Tugend oder diese Weise« noch »Ja, Herr, gib mir dich selbst oder ewiges Leben« heißen, sondern nur »Herr, gib mir nichts, als was du willst, und tue, Herr, was und wie du willst in jeder Weise!«“ (Reden der Unterweisung 1)
Dennoch verliert sich der Mensch damit nicht. Vielmehr gewinnt sein Leben eine ungeahnte Fülle, die Anteil am göttlichen Leben ist. Nochmals Eckhart: „Wo der Mensch in Gehorsam aus seinem Ich herausgeht und sich des Seinen entschlägt, ebenda muß Gott notgedrungen hinwiederum eingehen. [...] Darin, wo ich von meinem Ich lasse, da muß er für mich notwendig alles das wollen, was er für sich selber will, nicht weniger noch mehr, und in derselben Weise, mit der er für sich will.“ (ebd.)
Es ist das Eingehen in die Fülle des göttlichen Lebens, das einem in einem immer wieder neuen und überraschenden „Jetzt“ entgegenkommt und in dem Gott im Augenblick geboren wird. Deshalb will dieses „mir geschehe“ immer wieder aufs Neue gesprochen sein. Gott wird sich dann in einer überraschenden Fülle zeigen.
„Dann wird Gott in uns geboren, wenn alle Kräfte unserer Seele, die vorher gebunden und gefangen waren, ledig und frei werden und in uns ein Stillschweigen aller Absicht eintritt und unser Gewissen uns nicht mehr straft; dann gebiert der Vater seinen Sohn in uns“ (Predigt 25). Gott selbst handelt an uns und durch uns – und darin werden wir ganz eins mit ihm in der Liebe. „Da wird auch die Liebe des Heiligen Geistes offenbar. […] (Ich werde) in ihm völlig eingeschmolzen und gänzlich Liebe“ (Predigt 25).